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Das 16. Rheingau Literatur Festival „WeinLese“ geht in die zweite Runde Oestrich-Winkel, den 23. September 2008 – Am kommenden Wochenende geht das diesjährige Rheingau Literatur Festival „WeinLese“ zu Ende. Am Donnerstag, 25.9., um 20 Uhr findet in Kooperation mit dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin Wiesbaden eine Lesung aus Joan Didions Besteller „Das Jahr magischen Denkens“ in Breuer’s Kellerwelt in Rüdesheim statt. Sylvia Heid liest Ausschnitte aus der deutschen Übersetzung des Romans, Peter Kemper und Heiner Boehncke sprechen anhand dieses Romans über die Thematik „Leben und Tod“. Am Samstag, 27.9. um 20 Uhr, ist Peter Härtling mit seinem hr2-Literaturquiz „Literatur im Kreuzverhör“ zu Gast in der Kelterhalle des Rheingau Musik Festivals. Zum Abschluss des 16. Rheingau Literatur Festivals wird am Sonntag, 28.9. um 11 Uhr, der 15. Rheingau Literatur Preis an Ursula Krechel für ihren Roman „Shanghai fern von wo“ verliehen. Das Preisgeld des Rheingau Literatur Preises in Höhe von Euro 10.000 wird freundlicherweise vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und dem Rheingau Musik Festival e.V. bereitgestellt. Der VDP Rheingau spendet 111 Flaschen besten Rheingauer Rieslings. Heiner Boehncke, langjähriger Literaturredakteur von hr2 und Germanistik-Professor an der Goethe-Universität Frankfurt, zeichnet für das Programm verantwortlich und moderiert die Mehrzahl der Veranstaltungen. Auch 2008 können wir auf die Unterstützung unseres Medienpartners hr2-kultur, sowie des hr-fernsehens zählen. Die BHF-BANK unterstützt das Rheingau Literatur Festival als Hauptsponsor. Ausführliches Programm unter: www.rheingau-literatur-festival.de Die Veranstaltungen der „WeinLese 2008“ im Überblick: Donnerstag, 25.09., 20.00 Uhr Rüdesheim, Breuer’s Kellerwelt „Das Jahr magischen Denkens“ Gelesen von Sylvia Heid Gespräch mit Peter Kemper Moderation: Heiner Boehncke 11,– Euro (freie Platzwahl) Freitag, 26.09., 20.00 Uhr Geisenheim, Sektkellerei Bardong Martin Walser: „Der liebende Mann“ Moderation: Heiner Boehncke 15,- Euro (freie Platzwahl) (AUSVERKAUFT) Samstag, 27.09., 10.30 Uhr Literarische Wanderung mit Heiner Boehncke und Franz Herke 22,– Euro (inkl. zwei Gläsern Wein und einem Flammkuchen) (AUSVERKAUFT) Samstag, 27.09., 20.00 Uhr Oestrich-Winkel, RMF-Weingut „Literatur im Kreuzverhör“ hr2-Literaturquiz live mit Peter Härtling In Zusammenarbeit mit hr2-kultur Kostenlose Karten gibt es bei der Rheingau Musik Festival Service GmbH Sonntag, 28.09., 11.00 Uhr Oestrich-Winkel, Schloss Vollrads Rheingau Literatur Preis an Ursula Krechel Preisverleihung und Lesung der Preisträgerin Moderation: Heiner Boehncke 11,– Euro (freie Platzwahl) Karten für das Rheingau Literatur Festival: - Rheingau Musik Festival Service GmbH Tel: 01805 / 74 34 64 (14 Cent/Min aus dem Festnetz der Deutschen Telekom) oder im Internet: www.rheingau-literatur-festival.de Drei Chinesen um die Welt Von Inge Franz „... Ein Liter Vollmilch kostet bei Aldi, Edeka, Netto, Plus, Real und Rewe seit einigen Wochen nicht mehr 55 Cent, sondern 62 Cent. Die Preise von Quark und Joghurt blieben zum Beispiel bei Edeka bisher unverändert. "Aber auch da wird sich sicher noch etwas tun", sagte ein Edeka-Sprecher in Hamburg. Auch bei Käse seien Veränderungen möglich. Die Preise für Magerquark sind laut Rewe stabil. Die Molkereien hatten mit den großen Handelsketten nach mehreren Jahren sinkender Milchpreise höhere Erzeugerpreise vereinbart. Dazu kommt nach Ansicht von Marktexperten eine gestiegene Nachfrage nach Milchpulver in Asien - vor allem China - und ein geringeres Angebot durch den zunehmenden Anbau von Pflanzen für Biodiesel.“ (www.fr-online.de) Herr Meier (wie viel Kosten die Eier) schlug empört die Zeitung zusammen, nachdem er diese Nachricht Anfang August 2007 gelesen hatte. Er regte sich auf: „Es scheint, als würden die Chinesen uns die ganze Milch wegtrinken, deshalb müssen wir jetzt mehr berappen für Butter, Milch und bald wohl auch noch Quark und Joghurt! Können die nicht ihre verdammte Sojamilch trinken? Was soll das überhaupt? Wir gehen ja auch nicht nach China und nehmen denen ihren Reis weg, oder etwa doch? Fragend blickte er seine Frau Liese an. „Naja, Reiner,“ sagte diese, „ich glaube, a bisserl scho“, und sie zwickte ihn neckisch in den Oberarm, „oder glaubst, der Reis, den wir letzten Donnerstag gesse ho, isch von Italien von de Po-Ebene?“ „Nö, aber die Po-Ebene is scho escht net schlecht!“, sagte er und zwickte sie neckisch in denselben. „Ajo, mir werden’sch jo sähe“, sagte seine Frau und entwand sich lachend seinem Zugriff, „schpätestens, wenn mer wiedä, wie im Krieg, für a Pfund Butter a Monat schaffe müscht’, donn säh mär jo, dasch die Chinese sich nur no vo Milchproduktä ernärä tuä“. Und sie ging in die Küche, um den Quarkauflauf, mit Sahne verfeinert, anzurichten. Zur selben Zeit in Südchina (Yunnan), in der Hauptstadt Kumming, vor einem Zeitungskiosk: Herr Meier, der Schwabe, hatte sich auf den Weg nach China gemacht, um mit eigenen Augen zu sehen, wie die Chinesen uns die Milch wegtrinken. Bisher – und er war schon zwei Wochen hier – hatte er noch keine Spuren von Milch trinkenden Chinesen gesehen. Aber: was er nicht wusste: Es machten sich drei ziemlich arme Chinesen Gedanken über ihre Zukunft, über ihre Karriere und was sie überhaupt sie im Leben mal machen sollten, um an Geld zu kommen. Das waren: Dan Dum, der älteste (39), der immer sehr schweigsam war, aber stille Wasser sind bekanntlich tief, und er hatte es sich in den Kopf gesetzt, um Hing Shon (26) zu werben, in die er unheimlich doll verknallt war. Dann war da noch Bin Yung (23), der nur Karate und Karaoke im Kopf hatte und in Zukunft in dieser Richtung beruflich tätig zu werden. Auch Dan Dum hatte gerade die Zeitung (mit chinesischen Schriftzeichen) zusammengeklappt und geseufzt. „Wil haben gal keine chinesischen Tladitionen mehl“, rief er resigniert. „Wählend meine Muttel Tag fül Tag in del Küche vom Wan-Tan-ge-Sund steht und nach alten chinesischen Lezepten kocht, wollen diese Modelnisten ungenießbale Kuhmilch ins Land holen und eulopäische Gelichte machen!“ Missmutig ließ er den Löffel sinken, den er eben noch in die Glasnudelsuppe getaucht hatte. „wenn das so weitel geht, gibt es nächstens bei Wan-Tan-Ge-Sund nul noch Joghulteis, Peking-Ente in Sahnesoße, Walflossenchips mit Käse übelbacken odel sogal Shlimps in Buttelsoße“. Er lachte plötzlich so, dass ihm die Suppe aus dem Mund lief und sein schöner zitronengelber Kimono, den er zur Feier des Tages angezogen hatte, beinahe beschmutzt worden wäre. Aber dann hielt er inne: „Vielleicht“, sagte er, „könnte ich meine Kenntnisse der deutschen Splache“, und er machte ein ernstes Gesicht, „dazu velwenden, Leichtum in mein Land zu blingen. Mal sehen, ich habe 4 Semestel Gelmanistik an der Uni Hambulg studielt, dann noch 3 Semester Wiltschaft in Peking, und ich kann fließend Deutsch. Ich welde Hing Shon flagen, was sie davon hält, wenn wil nach Deutschland fahlen und Milch kaufen, um sie hiel für teules Geld zu velkaufen!“ Er machte gleich eine Rechnung auf: „100 Liter Milch à 49 Cent = 49,00 EUR (Einkauf), 100 Liter à 100 Cent = 100, 00 EUR (Verkauf), das sind bei 100 Litern genau 51 EUR Gewinn. Um die Reise zu finanzieren, würden sie 200 Liter Benzin benötigen (= 100 EUR, denn das Benzin kostet in China nur 50 Cent/l). Er rechnete damit, dass ihr Auto 4 Liter pro 100 km verbrauchen würde, und dass sie 10 000 km fahren würden, also würden sie 400 Liter Benzin benötigen, also 200 EUR. Sie würden also mindestens 1000 Liter Milch kaufen und würden damit 510 EUR verdienen, von einem Teil des Geldes würden sie die Rückreise finanzieren (510 – 200 EUR = 310 EUR), den Rest würden sie unter sich aufteilen und damit ihre neuen Geschäftsideen verfolgen. Essen würden sie ihren mitgebrachten Reis, und vielleicht könnten sie an den Gewässern einige Fische fangen, um auch mal was Frisches zu essen, und hier und da ein paar Früchte pflücken. Das war doch ein guter Plan, oder? Dass das alles eine Milchmädenrechnung war, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, und wenn man ehrlich ist, wollte er es auch nicht wissen, weil er voller Illusionen, Hoffnungen und Tatendrang war und sofort aufbrechen und sich durch nichts aufhalten lassen wollte. Aufgeregt ging er also zu Hing Shon, die er schon seit Jahren verehrte und anhimmelte. „Hing Shon – Hing Shon – da an dem Balken, da kamen die Falken, die taten sich balgen, wel sie als elster mitnehmen könnt, wel sie als elster mitnehmen könnt!“, scherzte er. Das war ein Witz, den er sich ausgedacht hatte, und den er nie müde war zu wiederholen in ihrer Gegenwart. Hing Shon sah ihn etwas müde und unbegeistert an. „Was ist, willst du mil wiedel ein chinesisches Gedicht aufsagen?“, fragte sie. „Nein, diesmal ist es viel ernster!“ (Hoffentlich will er mich nicht heiraten, hoffte sie). „Nein, diesmal geht’s um Geschäfte. Um elnste Geschäfte. Gloße bedeutende Geschäfte, viel Geld!“ „Was denn, willst du wiedel eine Hühnelfarm aufmachen und dann velenden alle Tiele an der Hühnelglippe? Odel willst du wiedel machen Geldtausch, und nach 2 Monaten stellst du fest, dass alle Eulo-Scheine, die du gekliegt hast, Falschgeld walen und musst 5 Jahle in Knast?“ Sie sah ihn fragend an. „Nein, nein, meine kleine süße Hing Shon, es geht um etwas ganz Neues: MILCH! Schon mal gehölt?“ „MILCH?“ schrie sie, „vellückt gewolden, odel was? Ich hab’ davon in den Kumming-News gelesen, „die wollen jetzt alle Milch tlinken, denken, sie kliegen Eiweiß davon, dabei ist doch Tofu unsele tladitionelle Esskultur“. „Ja, ich weiß“, erwiderte Dan Dum, „und Nüsse, Fleisch, Gemüse, all das ist wichtig, abel was willst du machen“ und er hob die Schultern, „alle Leute wollen jetzt Milch, also holen wir sie und verkaufen sie, ganz einfach!“.
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